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Rückblick kynologischer Kongress 2008

Anlässlich der Jubiläumsfeier 125 Jahre SKG am 22. November 2008 im Stade de Suisse in Bern, führte die Albert-Heim-Stiftung einen kynologischen Kongress durch. 11 hochqualifizierte Referenten aus der Schweiz und dem Ausland haben zum guten Gelingen und Erfolg vor 350 teilnehmenden Kynologen beigetragen. Das positive Echo hat bestätigt, dass sich der enorme Aufwand der Vorbereitungsarbeiten gelohnt hat.


Den Hund auch einmal Hund sein lassen
(Von Ursula Känel, Hunde-Jahrbuch 2008)

Sind Reisekrankheiten eine Auswirkung des Klimawandels? Was kann die Forschung zum Tierschutz beitragen? Welche neuen Einblicke gibt es in Sachen Hundefortbewegung? Was können Gentests bei der Selektion von Zuchttieren bewirken? Und: Warum lieben wir Hunde eigentlich so sehr? Diesen und anderen Fragen gingen die zehn Referenten – darunter etwa die aus kynologischen Fachbüchern bekannte Dorit Feddersen-Petersen, James A. Serpell von der Universität in Pennsylvania oder Thomas Briner vom Bundesamt für Umwelt BAFU – nach.

330 interessierte Personen waren zum Kongress nach Bern angereist. Sie hatten ein reich befrachtetes Tagesprogramm vor sich: Je 30 Minuten dauerten die Referate zu den verschiedenen Themen – eine geballte Ladung Wissen im Halbstundentakt. «Die Personen, die wir eingeladen haben, sind solche, die auf ihrem Gebiet wirklich etwas zu sagen haben», so Thomas Althaus bei der Begrüssung, der gemeinsam mit Michael Neugel und Peter Reber für die Organisation der Veranstaltung verantwortlich zeichnete und dabei auf die tatkräftige Unterstützung der Geschäftsstelle unter der Leitung von Franziska Rütschi zählen konnte.
Der Kongress stand unter dem Patronat der Albert-Heim-Stifung. Diese fördert die wissenschaftliche Forschung auf dem Gebiet der Kynologie und besitzt eine mit rund 2500 bestückte Hundeschädelsammlung, die als weltweit einzigartig gilt. Das Prädikat «einzigartig» erhielt auch der Kongress von den Teilnehmern: «Wir haben praktisch ausnahmslos positive Rückmeldungen erhalten»; so ein zufriedener Michael Neugel, Präsident der Albert-Heim-Stiftung.
«So etwas müssen wir wieder machen», lautete auch das Fazit von Zentralpräsident Peter Rub bei seiner abendlichen Ansprache zum Festakt. Dieser fand in gediegener Atmosphäre ebenfalls im «Stade de Suisse» statt. Unter die 220 Gäste hatten sich prominente Vertreter aus Politik, Wirtschaft, Verwaltung und Kynologie gemischt. Zugegen waren unter anderem Dorothea Loosli-Amstutz, die Präsidentin des Berner Grossen Rates; Stadtpräsident Alexander Tschäppät wie auch Hans Wyss, Direktor des Bundesamtes für Veterinärwessen. Die Partner-Organisationen der SKG waren durch Heinz Lienhard, Präsident des Schweizer Tierschutz STS, sowie Charles Trolliet, Präsident der Gesellschaft Schweizer Tierärzte GST, vertreten.
Sie alle überbrachten in ihren Grussbotschaften Glückwünsche zum 125-jährigen Bestehen sowie persönliche Gedanken zur Hundehaltung in der heutigen Zeit. «Wir schenken dem Hund ein klein wenig Liebe und Zeit – er schenkt uns dafür alles. Was für ein Geschäft», meinte etwa Dorothea Loosli-Amstutz. Es gebe Menschen, die vor Hunden Angst hätten, so Hans Wyss. «Es ist unsere Aufgabe, Brücken zu bauen, damit das Zusammenleben mit diesen wunderbaren Tieren weiterhin gewährleistet ist.» Bernhard Meier, der Geschäftsführer des Verbandes für das Deutsche Hunde-wesen (VDH), stiess mit seiner so einfachen wie klaren Aussage «den Hund auch einmal Hund sein lassen» auf breite Resonanz.
Hans W. Müller, der seit Jahren die Fédération Internationale Cynologique (FCI) präsidiert, überbrachte die Glückwünsche des Weltverbandes. «Nur wenige unserer Mitgliedsländer können auf eine derart lange Geschichte zurückblicken», sagte Müller und überreichte Peter Rub gemeinsam mit Yves De Clercq, dem FCI-Executive-Director, ein Bild eines Berner Sennenhundes, gemalt von der niederländischen Malerin Monique van Wijk.
Otto Rauch, Ehrenmitglied der SKG und Autor der Jubiläumsschrift, liess in seiner Rede die Höhepunkte der vergangenen 125 Jahre Revue passieren und hatte dabei auch konkrete Zahlen zur Hand. So erfolgte 1923 der Beitritt zur FCI; sechs Jahre später gründete die SKG die Albert-Heim-Stiftung. 1958, nach 75 Jahren, zählte die SKG rund 17000 Mitglieder, die in 144 Vereinen mitwirkten. Für Lacher sorgte die Notiz aus dem Jahr 1961, die die Schaffung des SKG-Sekretariats betraf: «Bei -einem Jahreslohnbudget von 10 000 Franken musste der Stelleninhaber dafür auch Raum und Einrichtungen sowie die Schreibmaschine gratis zur Verfügung stellen.» 1994 wurde in Bern die WeltHundeausstellung mit 15600 Hunden und über 100000 Besuchern durchgeführt. Weitere Meilensteine waren 1988 die Einführung des Mikrochips zur Kennzeichnung von Heimtieren, die Aus- und Weiterbildung in den Bereichen Haltung und Zucht sowie die Aktivitäten rund um «Jugend+Hund», dem Nachwuchsförderungsprojekt der SKG, das 1990 lanciert wurde.
Zentralpräsident Peter Rub rief in seiner Grussbotschaft zu gegenseitiger Toleranz auf. «Der Rassehund ist ein Kulturgut und soll seinen Stellenwert in der Gesellschaft auch in Zukunft beibehalten und nicht etwa zum Sportgerät oder Accessoire verkommen.» Rub brauchte deutliche Worte: «Die Abgabe der Welpen an seine neuen Besitzer darf nicht zum Tauschakt ‹Hund versus Kaufpreis› verkommen.» Und: «Wir dürfen und müssen uns klar abgrenzen von jeglichem Missbrauch; von Menschen, die vom Tier mehr verlangen als von sich selber, nur um sich selber einen Gefallen zu machen – und zwar von solchen inner- und ausserhalb unserer Reihen.» Es gelte, weiterhin daran zu arbeiten, dass die SKG als kompetenter Partner in Sachen Kynologie wahrgenommen werde. Peter Rub erinnerte  gleichzeitig daran, «dass es die SKG gerade in der heutigen Zeit braucht.» So wolle er sich an vorderster Front für eine vernünftige Hundegesetzgebung einsetzen. «Es muss – und wir sind auf gutem Wege – uns gelingen, mit der Politik, der Verwaltung und den Medien noch besser zusammenzuarbeiten.»


Referenten

Archäologie und Domestizierung
Prof. Dr. Jörg Schibler vom Institut für Prähistorische und Naturwissenschaftliche Archäologie, Universität Basel, nahm die Hörer auf eine spannende Zeitreise durch die Domestizierungsgeschichte mit. Frühe Hinweise auf eine Zähmung des Wolfes liegen rund 18000 Jahre zurück. Bedeutende Funde in der Schweiz (Neuenburgersee) sind rund 14500 Jahre alt. Als Motiv für die Domestizierung scheint der emotionale Gewinn am plausibelsten. Verwendungszwecke wie die Jagd wirkten schwerlich als Motivator, da sie eine lange Selektionsphase voraussetzen. (bur)

Der Hund als Sozialpartner
Domestizierte Tiere stehen in einem Nutzungsverhältnis zum Menschen, deutlich sichtbar in der Landwirtschaft. Nur beim Hund ist die Sache komplexer, wie Prof. Dr. James A. Serpell von der University of Pennsylvania aufzeigte. Die fundamentale Qualität der Beziehung zum Hund beruht auf seiner Rolle als Sozialpartner. Doch wie jede soziale Beziehung kann sie auch scheitern, beispielsweise weil man zu hohe Anforderungen an den Partner stellt. Die Hundehaltung erweist sich als vorteilhaft für das Wohlbefinden des Menschen, insbesondere ist sie Stress-dämpfend. (bur)

Hunde in voller Fahrt
Dr. Karin Eva Lilje (Friedrich-Schiller-Universität Jena) berichtete von einer Studie, wobei je zehn Hunde 30 verschiedener Rassen auf einem Laufband gefilmt wurden (Schritt, Trab, Galopp). Die Ergebnisse zeigen, dass das Schulterblatt eine zentrale Rolle spielt. Es leistet bei allen bislang untersuchten Rassen den grössten Anteil zur Schrittlänge der Vorderextremitäten. Das Vermessen der Hunde ergab: Die Relationen zwischen den Segmenten der Beine sind bei allen Rassen (ausser solchen mit langer Rumpflänge im Vergleich zur Widerristhöhe) ziemlich konstant. (bur)

Warum lieben wir Tiere so sehr?
Erst seit dem Mittelalter hätten Menschen die Fähigkeit, über sich selbst und andere nachzudenken, und dieses Einfühlungsvermögen bilde eine Brücke zum Anderen, erläuterte Prof. Dr. Jürgen Körner in seinem Referat «Psychoanalytische Betrachtungen zur Mensch-Tier-Beziehung.» «Wir malen uns aus, was im Gegenüber vorgeht und fühlen uns daher nahe.» Für ihn steht fest, dass wir mit Tieren sehr ähnlich umgehen. Da wir sie zudem lieben, weil sie uns das Gefühl geben, geliebt zu werden, stecke in jeder Zuwendung zum Tier auch ein eigennütziger Kern. (vt)

Ethologische Forschung noch aktuell?
Es werde fast unüberschaubar viel über Hunde geschrieben, hielt Dr. Dorit Urd Feddersen-Petersen fest. Doch kaum eine Angabe zu unterschiedlichen Rassen, sensiblen Phasen oder der Funktion bestimmter Verhaltensweisen sei mit wissenschaftlichen Methoden systematisch erforscht. «Zu oft wird vergessen», so Feddersen-Petersen während ihrem Referat, «dass die Ethologie eine naturwissenschaftliche Disziplin ist, die biologisches Arbeiten und Denken erfordert. Es gibt also noch viel zu tun.» (vt)

Reisekrankheiten wegen Klimawandel?
«Die sogenannten Reisekrankheiten wie beispielsweise Leishmaniose, Babesiose, Dirofilariose oder Ehr-lichiose treten nicht mehr nur in südlichen Ländern auf», weiss. Dr. med. vet. Felicitas S. Boretti. Bereits erkranken Hunde in nördlichen Gebieten, obwohl sie selber nie im Süden waren und auch keine Bluttransfusion hatten. Das heisst: Die Mücken, Fliegen oder -Zecken, welche die Reisekrankheiten übertragen, haben sich gegen Norden ausgebreitet. Vermutlich eine weitere Folge der Klimaerwärmung. (vt)

Was bringen Gentests der Zucht?
Hunde vererben nicht nur Fellfarben, Körperbau oder Verhalten weiter, sondern leider auch gesundheitliche Probleme. «Doch seit drei Jahren», erklärte Prof. Dr. Tosso Leeb, «bestehen ausgezeichnete Voraussetzungen, um die Ursachen erblicher Merkmale bei Hunden aufzuklären.» Immer mehr Gentests ermöglichen nämlich gezielte Zuchtprogramme. So können Erbkrankheiten innerhalb weniger Generationen aus einer Rasse ausgemerzt werden: «Ein wesentlicher Beitrag zum Tierschutz!» (vt)

Wissenschaft hilft Tieren
Wie Prof. Dr. med. vet. Andreas Steiger von der Vetsuisse-Fakultät der Universität Bern in seinem Referat ausführte, nehmen die den Behörden gemeldeten Tierschutzfälle seit Jahren zu. Die Wissenschaft kann helfen, indem sie die Bedürfnisse von Hunden erfasst und objektiviert. So liefert sie Anknüpfungspunkte für die praktische Hundehaltung, die Zucht und gesetzgeberische Massnahmen. Eine Erhebung in Tierheimen zeigte, dass der meistgenannte Grund für die Abgabe des Hundes Zeitmangel ist. (bur)

Die Gesellschaft und ihre Hunde
In einer Studie hat Prof. Dr. phil. Psych. Reinhold Bergler aus Nürnberg die soziale Positionierung des Hundes in der Gesellschaft untersucht. Hundehalter würden vermehrt über menschliche Qualitäten wie emotionale Nähe, Freundschaft, Geselligkeit, Lebensfreude und Verständnis verfügen. Reinhold Bergler: «Hunde motivieren, stimulieren, kommunizieren, stabilisieren, strukturieren, trainieren und emotionalisieren!» Auf der anderen Seite stehen die hygie-nische Beeinträchtigung, zwischenmenschliches Konfliktpotenzial, finanzielle Belastung, Gefährdung anderer. (cn)

Herdenschutzhunde und die SKG
Die in die Schweiz zurückgekehrten Grossraubtiere Luchs, Wolf und Bär waren das Thema von Dr. Thomas Briner vom Bundesamt für Umwelt sowie von Daniel Mettler von der Universität Bern. Aus verschiedenen Methoden des Herdenschutzes wurde vor allem die Behirtung mit Hunden weiterverfolgt. Seit 2003 ist die Arbeitsgruppe «Agridea» des BafU für Zucht, Ausbildung und Einsatz der Herdenschutzhunde verantwortlich. Das Augenmerk fiel dabei auf zwei Rassen; den Pastore Marem-mano Abruzzese und den Pyrenäenberghund. (cn)


Warum sich der Mensch dem Hund so gern unterordnet
Was sind Hundehalter für Typen? Verhilft ein Hund zu besseren Schulnoten? Am Kongress der Kynologen bekamen die Teilnehmer auf solche Fragen Antworten.
Von Martina Frei, Bern, Tagesanzeiger Zürich (Wissen)

Hunde tun dem Menschen gut, und zwar in doppelter Hinsicht. Erstens wirken Hundehalter auf ihre Mitmenschen sympathischer:
Frauen mit Hund werden auf Anhieb als geduldiger, spontaner, optimistischer, kommunikativer und durchsetzungsfreudiger angesehen als Frauen ohne Hund. Das zeigte eine Befragung von über 400 Personen, die der Bonner Sozialpsychologe Reinhold Bergler durchgeführt hat. Bergler war einer der Referenten am Kongress der Albert-Heim-Stiftung der Schweizerischen Kynologischen Gesellschaft vorletzten Samstag in Bern. Aber was für Typen sind Hundehalter wirklich? Um das herauszufinden, liess Bergler über 3200 Hundehalter untersuchen. Dem Mensch-Tier-Beziehungsforscher zufolge lassen sich drei Typen unterscheiden: Am häufigsten (43 Prozent) ist der naturverbundene, sozial eingestellte Halter. Er schätzt zwischenmenschliche Kontakte (noch) mehr als seinen Hund und lernt dank diesem auch neue Leute kennen. Am zweithäufigsten (35 Prozent) ist der emotional auf den Hund fixierte Hundebesitzer. Die kleinste Gruppe (22 Prozent) stellen prestigeorientierte Halter, die sich zum Beispiel mit einem besonders schönen Hund zeigen oder ihr mangelndes Selbstbewusstsein damit aufpolieren. «Die Hundehaltung an sich ist also nicht das Entscheidende, sondern die Qualität der Mensch-Hund-Beziehung», betonte Bergler. In diesem Licht müsse man auch die Studien über die positiven Wirkungen der Hunde betrachten. Diese günstigen Effekte sind der zweite Grund, weshalb Hunde dem Menschen gut tun: Erwiesenermassen erholen sich Hundehalter von schweren Lebensschlägen besser als Nicht-Hundehalter. Hunde wirken sich günstig auf die psychische und die körperliche Gesundheit ihrer Halter aus, fasste James Serpell von der Universität Pennsylvania verschiedene Studienergebnisse zusammen. Allerdings, schränkte er ein, gelte dies alles nur, wenn die Halter mit ihrem Hund zufrieden seien.

Hunde werden die Herren des Hauses
Eine gute Beziehung zum Tier sei dafür die Voraussetzung, ergänzte Bergler. In einer Befragung von 400 Müttern zeigte sich, dass ein Familienhund mit guten Schulnoten einhergeht – aber nur, wenn ein Schüler eine enge Beziehung zu dem Tier habe. Schüler, die dem Hund ihrer Familie sehr verbunden sind, schneiden in einer Reihe von Schulfächern besser ab als Schüler, in deren Familie zwar ein Hund lebt, die aber nur wenig mit diesem anfangen können, fand Bergler heraus. Mehr noch: «Diese Schüler waren deutlich weniger aggressiv und sozial isoliert, sie wurden von ihren Lehrern als sympathischer eingestuft, hatten bessere Freundschaften zu Gleichaltrigen und waren besser imstande, ihre Gefühle zu kontrollieren.» Warum aber lieben wir die Tiere so sehr? Mit dieser Forschungsfrage beschäftigt sich der Pädagoge Jürgen Körner von der Freien Universität Berlin. Bald nachdem seine Familie zwei Salukis angeschafft hatte, musste Körner feststellen, dass sich «die Hunde zu den wahren Herren des Hauses aufgeschwungen hatten». Ferienort und -unterkunft, Kauf eines neues Autos – bei allen Entscheidungen richtete sich die Familie nach den Bedürfnissen der beiden Windhunde. «Was bringt halbwegs normale Menschen dazu, sich dem Hund so unterzuordnen?», fragte sich Körner und begann – nebst der Forschung mit delinquenten Jugendlichen – die Mensch-Tier-Beziehung zu erkunden.

«Wir verwenden die Tiere»
Sein Fazit: «Wir verwenden die Tiere in unserer Tierliebe, wir glauben im Hund zu finden, was wir immer schon vermisst haben» – Liebe, Aggressivität oder andere Eigenschaften mehr. «Stellen Sie sich vor, seiner Eigenart und Andersartigkeit zu lieben und zu verstehen lernen». Selbst Tierschützer würden die Tiere für sich verwenden, behauptete Körner. Indem sie zum Beispiel grausame Bilder von misshandelten Tieren zeigen, «fühlen sie sich besser als der Rest der Menschen».

17 000 Hunde landen im Tierheim
Dass Hunden nicht nur Liebe entgegengebracht wird, zeigte Andreas Steiger von der Vetsuisse-Fakultät der Universität Bern auf. Aufgrund einer Stichprobe aus 29 Tierheimen würden – hochgerechnet – in der Schweiz jedes Jahr 16 860 Hunde in Heimen abgegeben oder herrenlos aufgefunden. In fast zwei Dritteln der Fälle sind die Gründe für die Abgabe keine Zeit, Umzug oder Scheidung. Verhaltensprobleme des Hundes geben nur in jedem zehnten Fall den Ausschlag, den Hund im Tierheim abzugeben. Besonders drastisch wirken sich solche Verhaltensprobleme für Herdenschutzhunde aus, die in den Alpen vor allem Schafherden vor Wölfen, Luchsen und Bären schützen sollen. Gehorsam und Mensch-Tier-Beziehung sind bei diesen Hunden weniger wichtig. Viel mehr Gewicht lege man auf die Selbstständigkeit, legte Daniel Mettler von der Vereinigung Agridea dar. Damit die Hütehunde eine Herde gut beschützen, müssten sie von klein auf in Schaf-, Ziegen- oder Rinderherden aufwachsen. Derzeit sind etwa 150 solcher Hunde im Einsatz, 20 davon bewachen die ihnen anvertrauten Tiere auf sich gestellt, ohne menschliche Hirten. Der Einsatz auf unbehirteten Alpen wird Mettler zufolge häufiger. Gefüttert werden diese Hunde an Futterautomaten, die ein- bis zweimal pro Woche nachgefüllt werden. Bei dieser Gelegenheit werde auch die Gesundheit der Tiere kontrolliert, so Mettler. Auf sich allein gestellt, müssen die Hunde erkennen, dass Touristen keine Gefahr sind: «Reiter und Velofahrer stellen dabei oft eine grössere Provokation für die Hunde dar als die Wanderer», stellte Mettler fest.

Hunde sind sehr speziell
Zeigen die Hunde Verhaltensprobleme, etwa, weil sie Menschen angreifen, stehen die Verantwortlichen vor einem Dilemma: «Wir können diese Hunde nicht in ein Tierheim geben, weil sie immer mit Schafen gelebt haben», sagte Daniel Mettler. Die Hunde in eine Familie zu integrieren, sei ebenfalls nicht machbar. So bleibe – wenn eine Umplatzierung in eine andere Herde und ein spezielles Training fehlschlagen – nur die Euthanasie. Durchschnittlich zwei Hunde pro Jahr trifft dieses Schicksal. Um dies möglichst zu vermeiden, würden bereits bei der Körung auch Wesensund einfache Verhaltenstests gemacht, erläuterte Mettler. Gewisse Mängel bei den äusseren Merkmalen träten gegenüber dem Verhalten in den Hintergrund. Damit sprach Mettler wohl auch dem Professor für Humanethik und Tierwohl, James Serpell, aus dem Herzen. Serpell verglich die Eigenschaften von Wölfen und Haushunden, die sehr viel «menschenverträglicher » sind: «Der Hund ist so speziell, weil wir ihn so gemacht haben. Was mich aber besorgt, ist, wenn bei der Zucht das Schwergewicht vor allem auf körperliche Merkmale gelegt wird anstatt auf das Verhalten.»

 

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Kynologischer Kongress 2008